Neue DGUV Information 201-056: Was sich für Absturzsicherungen auf Dächern ändert
Die neue DGUV Information 201-056 „Schutzmaßnahmen gegen Absturz auf Dächern“ bringt umfassende Änderungen für Unternehmen, Dachdecker, Solarteure, Planer und Betreiber von Gebäuden mit sich. Die vollständig überarbeitete Fassung erweitert den Fokus deutlich: Während sich die ältere Version aus 2015 hauptsächlich mit Anschlageinrichtungen beschäftigte, betrachtet die neue Ausgabe nun das komplette Sicherheitskonzept auf Dachflächen.
Warum wurde die DGUV 201-056 überarbeitet?
Die Anforderungen an Arbeitssicherheit auf Dächern sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Besonders durch den Boom von Photovoltaikanlagen, Wartungsarbeiten auf Flachdächern und technischen Dachaufbauten werden Dächer heute wesentlich häufiger betreten als früher.
Die neue DGUV Information soll:
- Planungen vereinfachen
- Sicherheitsstandards vereinheitlichen
- rechtliche Klarheit schaffen
- und Absturzunfälle vermeiden.
Die wichtigsten Neuerungen der DGUV 201-056
1. Ganzheitliches Sicherheitskonzept statt nur Anschlagpunkte
Die alte DGUV Information konzentrierte sich stark auf Sekuranten und Anschlageinrichtungen. Die neue Version bewertet dagegen komplette Schutzsysteme auf Dächern.
Berücksichtigt werden jetzt:
- Seitenschutzsysteme
- Geländer
- Dachfanggerüste
- Anschlagpunkte
- Seilsicherungssysteme
- Zugangswege
- Wartungswege
- organisatorische Maßnahmen
- Dokumentation und Wartung.
2. Ausstattungsklassen AK-A, AK-B und AK-C
Eine der größten Änderungen ist die Einführung sogenannter Ausstattungsklassen.
Die Dachfläche wird nun anhand von:
- Nutzungsintensität
- Wartungshäufigkeit
- Personengruppen
- Absturzrisiken
bewertet. Daraus ergibt sich die notwendige Schutzklasse.
AK-A
Höchste Schutzklasse für Dächer mit häufiger Nutzung oder Publikumsverkehr.
Typische Maßnahmen:
- permanente Geländer
- kollektive Absturzsicherung
- sichere Verkehrswege
AK-B
Mittlere Anforderungen bei regelmäßigen Wartungsarbeiten.
AK-C
Geringe Nutzungsintensität mit eingeschränktem Zugang für unterwiesene Personen.
3. Kollektivschutz hat Vorrang
Die neue DGUV 201-056 stärkt das STOP-Prinzip im Arbeitsschutz.
Das bedeutet:
- Absturz vermeiden
- Kollektivschutz einsetzen
- Persönliche Schutzausrüstung nur als letzte Lösung
Geländer und feste Absturzsicherungen haben damit Vorrang vor PSA gegen Absturz.
4. Mehr Verantwortung für Betreiber und Bauherren
Die neue DGUV richtet sich nicht nur an Monteure und Dachdecker.
Betroffen sind jetzt ausdrücklich:
- Gebäudebetreiber
- Bauherren
- Planer
- Architekten
- Solarteure
- Wartungsunternehmen.
Wer Dächer plant oder betreibt, muss künftig stärker nachweisen können:
- welche Schutzmaßnahmen vorhanden sind
- wie Wartungen durchgeführt werden
- und wie Beschäftigte geschützt werden.
5. Wartung und Dokumentation werden wichtiger
Die neue Version fordert deutlich mehr Dokumentation.
Dazu gehören:
- Prüfprotokolle
- Wartungsnachweise
- Montagedokumentationen
- Rettungskonzepte
- Unterweisungsnachweise.
Besonders wichtig:
Temporäre Schutzsysteme, die dauerhaft auf Dächern verbleiben, müssen regelmäßig geprüft werden.
Was bedeutet das für Solarteure und Handwerksbetriebe?
Vor allem Unternehmen aus:
- Photovoltaik
- Dachbau
- Gerüstbau
- Wartungstechnik
müssen ihre Sicherheitskonzepte überprüfen.
Die neue DGUV 201-056 führt dazu, dass:
- permanente Absturzsicherungen häufiger vorgeschrieben werden
- Dachzugänge sicherer ausgeführt werden müssen
- und bereits in der Planungsphase Sicherheitsmaßnahmen berücksichtigt werden müssen.
Fazit
Die neue DGUV Information 201-056 verändert die Planung und Nutzung von Dachflächen grundlegend. Statt einzelner Anschlagpunkte steht jetzt ein ganzheitliches Schutzkonzept im Mittelpunkt.
Unternehmen sollten frühzeitig prüfen:
- ob bestehende Dachsicherungen den neuen Anforderungen entsprechen
- ob Verkehrs- und Wartungswege ausreichend gesichert sind
- und ob Dokumentation sowie Wartungsintervalle aktuell sind.
Besonders bei PV-Anlagen, Flachdächern und regelmäßig betretenen Dachflächen werden permanente Absturzsicherungen künftig eine noch größere Rolle spielen.