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Rückhaltesystem oder Auffangsystem: Der Unterschied und wann welches sinnvoll ist

In Gesprächen über Absturzsicherung werden Rückhaltesystem und Auffangsystem oft als Synonyme behandelt. Das sind sie nicht. Der Unterschied ist grundlegend – er bestimmt, welche Ausrüstung man braucht, wie man sie einsetzt und welche Anforderungen an den Arbeitsplatz gestellt werden.

Das Rückhaltesystem: Absturz verhindern

Ein Rückhaltesystem (Norm: EN 358 in Verbindung mit EN 363) verhindert, dass eine Person überhaupt in den absturzgefährdeten Bereich gelangt. Das Verbindungsmittel zwischen Gurt und Anschlagpunkt ist so kurz eingestellt, dass der Rand der Dachfläche physisch nicht erreicht werden kann.

Die Logik dahinter ist einfach: Wer nicht stürzen kann, braucht nicht aufgefangen zu werden. Das macht das Rückhaltesystem zur sichereren Variante – es gibt keine Sturzenergie, keine Belastung des Gurtes, kein Hängetrauma-Risiko.

Was das Rückhaltesystem voraussetzt: einen geeigneten Anschlagpunkt in Hüfthöhe oder darüber, ein Verbindungsmittel das auf die genaue Länge einstellbar ist (max. Länge = Abstand Anschlagpunkt zur Absturzkante minus 0,5 m, entsprechend DGUV 201-056), ausreichend Platz für die Arbeit innerhalb des gesicherten Bereichs, und eine Unterweisung des Anwenders.

Das Auffangsystem: Sturz auffangen

Ein Auffangsystem (EN 361, EN 354, EN 355 oder EN 360) greift nach einem bereits stattfindenden Sturz. Die Person ist abgestürzt, das System bremst den freien Fall ab und hält sie sicher – wenn man ein paar entscheidende Punkte beachtet.

Sturzraum: Unterhalb des Anschlagpunkts muss ausreichend freier Raum sein, damit die Person nach dem Sturz und nach dem Ausziehen des Falldämpfers (bis zu 175 cm) nicht den Boden trifft. Auf Flachdächern ist dieser Raum oft knapper als gedacht.

Rettungskonzept: Nach einem aufgefangenen Sturz hängt die Person im Gurt – und kann sich in der Regel nicht selbst befreien. Das Hängetrauma setzt innerhalb von Minuten ein. Ein Rettungskonzept ist rechtlich vorgeschrieben, nicht optional.

Die Entscheidung: Was passt zum Einsatz?

Rückhaltesystem wählen wenn: der Arbeitsbereich ausreichend weit von der Absturzkante entfernt ist, kein physischer Zugang zur Kante notwendig ist, und kein Rettungskonzept für den Sturzfall realisierbar ist.

Auffangsystem wählen wenn: die Arbeit bis an die Dachkante heranführt, ausreichend Sturzraum vorhanden ist, und ein Rettungskonzept existiert.

Was sagt die DGUV 201-056 dazu?

Die überarbeitete DGUV Information 201-056 (September 2025) betont ausdrücklich das STOP-Prinzip: Kollektiver Schutz (Geländer, Seitenschutz) hat immer Vorrang. PSAgA – ob Rückhalte- oder Auffangsystem – ist einzusetzen, wenn kollektive Maßnahmen nicht möglich oder nicht ausreichend sind.

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Im Sortiment von Gerüstexpress finden sich mobile Sekuranten und Anschlagpunkte für den temporären Einsatz auf Flachdächern. Alle Produkte sind nach EN 795 geprüft. Für Fragen steht das Team über die Kontaktseite zur Verfügung.

Häufige Fragen

Ist ein Rückhaltesystem sicherer als ein Auffangsystem?

In dem Sinne, dass kein Sturz stattfindet: ja. Aber es erfordert eine korrekte Einstellung der Verbindungsmittellänge. Ein falsch eingestelltes Rückhaltesystem kann in ein unbeabsichtigtes Auffangsystem ohne Sturzraumberechnung mutieren.

Was passiert, wenn das Verbindungsmittel zu lang ist?

Dann ist es kein Rückhaltesystem mehr, sondern bestenfalls ein schlecht konfiguriertes Auffangsystem – ohne die notwendige Sturzraumberechnung und möglicherweise ohne ausreichenden Freiraum unterhalb.

Muss ich für jedes Rückhaltesystem eine Gefährdungsbeurteilung erstellen?

Ja. Jede Arbeit in absturzgefährdetem Bereich erfordert eine Gefährdungsbeurteilung, die das gewählte System und seine Einsatzbedingungen dokumentiert.

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